FÜr neu Interessierte
Bhagavan Sri Ramana Maharshi und Advaita
Über Sri Ramana Maharshi, den großen Heiligen
unserer Zeit, ist sehr viel geschrieben worden. Einige lesenswerte Bücher
sind auch auf deutsch erschienen.
Empfohlen sei hier vor allem das Buch
Ramana Maharshi - Gespräche des Weisen vom Berge Arunachala (Ansata-Verlag
- 568 Seiten - EUR 25,00 - ISBN 3-7787-7080-2), das eine umfassende Sammlung
von Antworten Sri Ramana Maharshis auf so gut wie alle Fragen des Lebens enthält.
Die in diesem Buch gesammelten Fragen und Antworten wurden von 1935 bis 1939
aufgezeichnet und die Sammlung von Sri Ramana Maharshi selbst durchgesehen
und autorisiert, die Übertragung ins Deutsche ist hervorragend.
Lesenswert ist auch das bereits 1944 erstmals erschienene
Buch des bekannten Indologen Heinrich Zimmer:
Heinrich Zimmer
Der Weg zum Selbst - Lehre und Leben des Shri Ramana Maharshi
(Diederichs Gelbe Reihe - 223 Seiten - EUR 10,51 - ISBN 3-424-00507-X).
Weitere interessante Bücher finden Sie beim Stöbern in Buchhandlungen,
auch virtuellen, wie z.B. dem Zentralen Verzeichnis Antiquarischer Bücher
(www.zvab.com).
Es ist bekannt, dass Sri Ramana Maharshi im Jahre 1896 mit nur 16 Jahren spontan - ohne Anleitung eines Lehrers - erwachte, wie er es selbst später nannte: ohne erkennbaren Anlass ergriff ihn eines Tages unvermittelt die Gewissheit, jetzt sterben zu müssen. In wenigen Augenblicken durchlebte er bewusst den Prozess des Todes und erkannte mit überwältigender Klarheit, dass zwar der Körper stirbt, dass aber das den Körper durchdringende Bewusstsein unwandelbar lebendig und von Geburt und Tod unberührt ist. Er erfuhr: 'Ich bin unsterbliches Bewusstsein, alles ist unsterbliches Bewusstsein, nichts als Bewusstsein existiert'. Ramana hatte für das, was ihm widerfahren war, zunächst keinen Namen, erst später erfuhr er, dass der Seinszustand in den hinein er erwacht war, in der Philosophie des Vedanta als der höchste Seinszustand advaita (Sanskrit: wörtlich 'Nicht-Zweiheit') bezeichnet wird.
Obwohl Sri Ramana Maharshi es vorzog, schweigend zu lehren, gab er doch geduldig, voller Verstehen und Mitgefühl im Laufe vieler Jahre Tausenden von Besuchern Antworten auf ihre vielfältigen Fragen; Antworten, die zwar auf die jeweilige Verständnisebene des Fragenden Rücksicht nahmen, seinerseits aber niemals den höchsten Standpunkt des advaita verließen.
Sri Ramana Maharshi blieb trotz seiner Berühmtheit zeitlebens bescheiden und schlicht. Wer, von seiner strahlenden Persönlichkeit angezogen, zu ihm kam - Fürsten, Politiker, Gelehrte, Künstler, einfache Menschen aus dem Volk, arm und reich, alt und jung, und auch Tiere jeglicher Art - wurde mit demselben Respekt, derselben Güte und Freundlichkeit behandelt. Auch Weise und Heilige suchten ihn auf. Als einer der letzteren einmal gefragt wurde, welche Beziehung zwischen ihm und seinesgleichen und Sri Ramana Maharshi bestehe, antwortete er: 'Er ist die Sonne, wir sind seine Strahlen.'
Lehre und Praxis - Advaita und Atma Vichara
Advaita (Nicht-Zweiheit) zu erfahren, ist für den gewöhnlichen Menschen ohne spirituelle Übung kaum möglich. Übung ist daher notwendig. Die von Bhagavan Sri Ramana Maharshi als letztlich einzig wirksame Übung empfohlene ist atma vichara (Selbst-Erforschung). Atma vichara ist kein okkulter Pfad, es bedarf keiner rituellen Einweihung, jeder kann mit der Übung jetzt und hier beginnen. Auch wenn sie dem Neuling schwierig und abstrakt vorkommen mag, ist die von Bhagavan empfohlene Übung der Selbst-Erforschung weder schwierig noch abstrakt, sondern einfach und konkret.
Die Übung:
Ein beliebiger Gedanke wird zur Quelle seiner Entstehung zurückzuverfolgt,
mit Hilfe der einfachen Fragenkette: 'Wer hat diesen Gedanken - ich habe ihn
- wer bin ich?'
Anfangs liegt die Schwierigkeit darin, dass man die Übung fälschlich als Denkvorgang versteht und sich bemüht, den eigenen Gedanken denkend zu seiner Quelle zurückzuverfolgen. Auf diese Weise hindert sich der Intellekt selbst daran, zu der vor seiner Entstehung liegenden Quelle zurückzugehen. Bhagavan hat dieses Problem mit dem Bild beschrieben: es ist, als ob der Dieb den Polizisten bittet, den Dieb zu fangen, der er ja selbst ist und sich nicht fangen lässt - ein scheinbar unlösbarer Teufelskreis. Aber die Lösung ist einfach: man muss den Gedanken zu seiner Quelle zurückverfolgen, ohne zu denken. Anfangs mag dies nicht recht gelingen, aber nach und nach wird man lernen, spürend - lauschend - wartend - ohne jede Denktätigkeit aber vollkommen bewusst, die Spur jedes Gedankens und des jedem Gedanken zugrunde liegenden 'Ich'-Gedankens zu seiner Quelle zu begleiten. Andere Meditationstechniken können sehr hilfreich sein, den unruhigen Menschengeist zur Ruhe zu bringen, wie auch Bhagavan immer wieder bestätigte, Bhagavan wies aber stets darauf hin, dass nur atma vichara letztlich zum Ziel führt und dort beginnt, wo jede andere Technik endet. Bhagavan ermutigte die Suchenden und betonte stets, dass der Selbstzweifel das größte Hindernis auf dem spirituellen Weg sei. Bhagavans unbedingte Empfehlung ist, dem Zweifel keinerlei Raum zu geben, sondern sich sogleich zu fragen: 'Wem kommt der Zweifel - mir - wer bin ich?'
Also nur Mut - Bhagavans Hilfe ist jedem ernsthaft Übenden gewiss!
Und außerdem ...
Ashrams und Gruppen, die sich Bhagavan Sri Ramana Maharshi widmen, leben von vollkommen freiwilligen Zuwendungen ihrer Mitglieder und Besucher. Jegliche Spendenwerbung - sei sie direkt oder indirekt - wird von den Gruppen echter Anhänger Bhagavans nicht nur missbilligt, sondern strikt abgelehnt. Sie sollten daher um Gruppierungen, die Ihnen Geld abverlangen, einen Bogen machen.
Om Namo Bhagavate Sri Ramanaya